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Artikel aus Mangiaare - Hauszeitung der Genossenschaft MIRGOS AARE, Aargau, Nr. 1 - Januar 2004
...ist seit Interlaken Geschäftsleiter Herbert Bolliger. Er hat darüber und über die Zukunft im Gastrobereich mit Mangiaare aktuell gesprochen.
Mangiaare aktuell: Herr Bolliger, Sie haben die beiden Kadertage und einen der Mitarbeitertage in Interlaken miterlebt. Was sind Ihre Eindrücke?
Herbert Bolliger: Das Feuer für einen Aufbruch in der Gastronomie der Migros Aare ist entfacht. Die Mitarbeitenden haben sich mit dem Mangiaare-Virus anstecken lassen und sind bereit, die dringend nötigen Veränderungen auzupacken. Die Ziele sind definiert, allen ist nun klar, wo wir mit der Gastronomie hin wollen. Viele Mitarbeitende arbeiten schon seit Jahren in der Migros und haben zum ersten Mal das Gefühl, dass sie wichtig sind, dazu gehören und nicht nur ein Anhängsel des Supermarkts sind.
Hat es Unterschiede in den Interessen der Teilnehmenden gegeben? Worin liegen diese?
Festgestellt habe ich, dass sich das Kader stark für die grundsätzliche Ausrichtung unserer Gastronomie in die Zukunft interessierte und die Mitarbeitenden dafür schnell praktische Lösungen zur Umsetzung vorgeschlagen haben. Es hat mich gefreut und beeindruckt, wie überall engagiert diskutiert wurde und wie viele Ideen geboren wurden, die wirklich Hand und Fuss haben. Klar gezeigt hat sich, dass die Mitarbeitenden in Zukunft von ihren Vorgesetzten besser informiert werden wollen und sich im Gegenzug die Vorgesetzten vorgenommen haben, ihre Leute besser mit Infos zu versorgen.
Ihr Referat über den heutigen Zustand der Gastronomie der Migros Aare - und vor allem das Wort "Konkurs" - war happig und hat die Gemüter bewegt.
Den meisten war bekannt, dass es unserer Gastronomie nicht gut geht. Doch ich denke, vielen war nicht bewusst, dass uns das Wasser bis zum Hals steht. Stellen Sie sich vor: Hätten wir die gleiche Situation im Supermarkt, würde das bedeuten, dass wir dort einen Verlust von zirka 55 Millionen (!) Franken einfahren würden, das wäre eine Katastrophe.
Ab wann werden die Gäste die Auswirkungen von Mangiaare spüren?
Da praktisch alle Gastromitarbeitenden in Interlaken erfahren haben, was wir mit Mangiaare bezwecken, und da sie sich der Notwendigkeit bewusst sind, glaube ich, dass unsere Gäste schon sehr schnell, wahrscheinlich sogar schneller als bei "Sackfrisch", etwas merken werden. Besonders bei den kleinen, einfachen Dingen, die nicht extra Projekte und Checklisten brauchen. Es wurde ja vor Ort diskutiert, wo unmittelbar nach Interlaken der Hebel in jedem einzelnen Betrieb angesetzt wird. Beispielsweise bei der Freundlichkeit: Unsere Leute wisse, dass wir - aufgrund der Kundissimo-Umfrage - freundlicher auftreten müssen. Ebenso kann im Bereich Sauberkeit sofort mehr unternommen werden, aber auch bei der Portionierung und beim Anrichten der Teller ist sofort mehr Qualität machbar.
In Interlaken wurden von den nächsten 24 Monaten gesprochen. Ist Mangiaare danach beendet?
Sicher nicht! Die zwei Jahre sind lediglich ein Zeitraum, in dem wir unsere nächsten Schritte planen. Mangiaare wird zum Dauerauftrag, schliesslich haben wir eine Vision 2008! Jeder Tag ist Mangiaare. Jeden Tag haben wir in der Gastronomie die Möglichkeit, uns zu verbessern, denn in keinem anderen Bereich fängt das Geschäft jeden Morgen wieder völlig neu an.
Demnächst wird sich herausstellen, welche Themen als Projekt geführt werden müssen. Es wird Kraft brauchen zum Draabliibe. Es wird sicher auch Rückschläge geben, und es werden Korrekturen gemacht werden müssen. Das Massgebende ist aber immer, dass wir unsere Vision Schritt für Schritt weiterverfolgen - auch wenn wir mal eine Schlaufe laufen - und unsere Ziele in Bezug auf die Steigerung der Qualität nicht aus den Augen lassen.
Interview: Andrea Müller-Hildebrand